Dialekte – kulturelle Heimat oder Sprachbarriere?

… whilst organizing and re-organizing the many files and folders on my laptop, I came across some OU (Open University) folders from 2006 to 2010. I scanned through some of the essays I had written earlier and realized just how similar the topics were to my current studies. Because I enjoyed re-reading some in more detail, I decided to upload one, whose topic (dialects – cultural heritage or speech barrier?) is close to my heart. That is, having grown up in a household where Hochdeutsch (Standard German) was spoken, I would regularly listen to my grandparents and father speaking in their own language – Siebenbuergisch, a Transylvanian Saxon dialect. Once in school I soon noticed that many children spoke differently to the way I did. So I was introduced to the Austrian dialect, which in the end I would never quite master. When moving to London I would hear many more dialects, such as Brummie, Cockney, Bristolian, Yorkshire, Scouse, Anglo-Cornish, Glaswegian, etc. and soon find out just how important language and the way we speak is to our identity, our personal but also regional one. Furthermore, I realized that we also have a choice of highlighting that uniqueness of language/speech or, if felt necessary, hide it.

The following essay (in German…especially for my intermediate/advanced German language students and of course all other German language enthusiasts :-)) is intended to give a short introduction about the function of dialects, attitudes towards dialects and to language (dialect) changes.

To allow a better reading flow I have taken out all the references and added an up-to-date bibliography at the end of the essay. I also added further links for th9ose who wish to discover more about dialects.  

Dialekte – Kulturelle Heimat oder Sprachbarriere?

i lieg in da eckn          ich liege in der ecke

und ko me ned rian   und kann mich nicht rühren

dausnd gedonkn        tausend gedanken

ziang duach mei hian  ziehen durch mein hirn* 

(Harry Ahamer, „Im Ö“)   *Standardsprache: schwirren mir im Kopf herum 

Der österreichische Musiker und Komponist Harry Ahamer singt im oberösterreichischen Dialekt. In Österreich, aber auch in Deutschland, sprechen viele im Dialekt wie zum Beispiel Alemannisch, Allgäuerisch, Bairisch oder Bayerisch, Berlinerisch, Fränkisch, Hamburgerisch, Kölsch, Mecklenburgisch, Moselfränkisch, Ostfriesisch, Pfälzisch, Ruhrpottsprache, Saarländisch, Saterfriesisch, Sächsisch, Schwäbisch, Thüringisch, oder Westfälisch.

Was genau ist ein Dialekt und welche Funktion hat er? Warum bevorzugt der österreichische Sänger Mundart anstatt Einheitssprache? Hat sich der zeitgenössische Dialektgebrauch im deutschsprachigen Raum in den letzten 60 Jahren verändert? Wenn ja, warum?

Auf diese Fragen versucht der folgende Aufsatz Antworten zu geben.

Was ist ein Dialekt?

Ein Dialekt kann sich von der Einheitssprache nicht nur in Aussprache und Wortschatz, sondern auch in Grammatik und idiomatischem Wortgebrauch unterscheiden. Heidrun Pelz beschreibt einen Dialekt in Linguistik. Eine Einführung ganz einfach als „eine besondere Form einer Sprache, die in einem bestimmten geographischen Gebiet gesprochen wird“.

Die Vielfalt deutscher Dialekte, die oft so unterschiedlich sein können, dass Dialektsprecher sich der Einheitssprache bedienen um sich miteinander zu verständigen, verleihen deutschprachigen Ländern eine interessante und abwechslungsreiche sprachliche Kultur, wie zum Beispiel das Bayrische, das offen und freundlich klingt oder das „singende“ Wienerische.

dirndl und lederhoseViele lernen seit frühester Kindheit sich im Dialekt zu verständigen und auszudrücken. Deshalb schafft Dialekt so nicht nur soziale Nähe zu anderen Dialektsprechern, sondern laut Komödiant Christoph Sonntag „Dialekt schafft eine regionale Identität“, denn man fühlt sich bald mit jemandem verbunden, der einen in der Ferne mit einem vertrauten „Grüzi“ oder „Griadi“ begrüt.

Warum bevorzugt man in der Mundart zu reden?

In meinem österreichischen und bayerischen Bekanntenkreis wird hauptsächlich Dialekt gesprochen, ob im Beruf oder in der Freizeit.

Wenn ausländische Freunde Österreich besuchen, sind sie immer wieder überrascht, dass viele Einheimische am Land oder in der Stadt mit ihnen fast immer im Dialekt, manchmal aber auch auf Englisch sprechen, anstatt in der Hochsprache. Auf die Frage, warum manche nicht auf Hochdeutsch redeten, kam als Antwort: „S’is halt oafocha iam Dialekt uand wia san ja in Östarreich.“  Ein weiterer Grund, weshalb Dialekt bevorzugt wird, könnte sein, wie die Mundartautorin Rosemarie Banholzer sagt „vom Herzen kommt die Sprache, vom Herzen und da kann man sich ganz anderscht ausdrücke.“

Wenn man bedenkt, dass Hochsprache sowohl in der Schweiz und Österreich in erster Linie in den Schulen gesprochen wird, ist die vorherige Antwort verständlich, denn auβerhalb der Schule verfällt ein Groβteil der Lehrer und Schüler dem Dialekt. Einen Unterschied zu Österreich gibt es aber, indem das charakteristische Schweizerdeutsch als offizielle Verkehrssprache gilt, in Österreich und Deutschland aber die Einheitssprache.

Das Schweizerdeutsch konnte sich deshalb zur offizielen Verkehrssprache durchsetzen, da es nach den beiden Weltkriegen besonders gefördert wurde, um sich so vom Deutschen abzugrenzen. Das ist wahrscheinlich auch Grund dafür, dass es von allen Schichten inklusive der Oberschicht gesprochen wird.

Dialekt als Sprachbarriere?

communication breakdownLaut Studie der Sprachwissenschaftler Ulrich Ammon und Birte Kellermeier „Dialekt als Sprachbarriere passé“  hat sich seit der Dialekte-als-Sprachbarriere-Diskussion der 70iger Jahre nicht viel geändert. Schon vor 40 Jahren stellte man fest, dass das Standarddeutsch an den Schulen mangelte. Dies betraf vor allem sozial benachteiligte Kinder, die vor allem Schwierigkeiten mit Schriftdeutsch aufgrund ihrer Sozialisation im Dialekt hatten. Seit den letzten 30 Jahren betrifft es aber nicht nur deutsche Kinder, sondern auch Kinder der Berufsmigranten und Flüchtlinge. Mit mangelnder Fertigkeit in der Standardsprache beginnt dann ein Teufelskreis, denn mit „schlechten“ Deutschkenntnissen hat man meistens auch nur schlechte Berufschancen. Für Berufsmigranten und Flüchtlinge wäre somit das Erlernen der Einheitssprache genau deshalb sehr wichtig.

Auf der anderen Seite, wenn in einer Region hauptsächlich regionaler Dialekt gesprochen wird, kann es, vor allem für Erwachsene, schwierig sein sich zu integrieren. Vor allem aber kann man sich auch ausgeschlossen fühlen. Kinder hingegen können in der Schule und mit Hilfe von Organisationen, wie das PÄZ in Aachen, die aktiv die Integration von Kindern ausländischer Herkunft fördern, schneller integriert werden.

Gesellschaftlicher Wandel

Aufgrund der Migration der letzten Jahrzehnte hat sich in europäischen Städten eine neue Art von Dialekt entwickelt, der Soziolekt, wie zum Beispiel Kietzdeutsch oder Kanak Sprak in Deutschland. Kanak Sprak – ein Multiethnolekt – entstand durch Kontakt verschiedener Sprachen und Ethnien, wie zum Beispiel Türken, Araber und Russen und ist eine Jugendsprache des Deutschen. Laut Sprachwissenschaftlerin Heike Wiese werden diese Soziolekte „in Wohngebieten mit hohem Migrantenanteil“ gesprochen, sowohl von Migranten verschiedener Herkunft als auch von deutschen Jugendlichen und Erwachsenen. Dieses relativ neue Phänomen könnte dazu führen, dass Soziolekte die deutsche Sprache verändern.

Gibt es Zukunft für Dialekte?

Auf der einen Seite könnte es sein, dass aufgrund wachsender Berufsmobilität und Einfluss der Massenmedien die Einheitssprache als bevorzugtes Kommunikationsmittel gelten wird, vor allem in gröβeren Städten mit internationalen Einwohnern. Auf der anderen Seite aber, vor allem am Land und in der Künstlerszene, will der Dialekt gepflegt werden, denn schlieβlich ist er kulturelles Erbe einer Region und es wäre schade regionalspezifische Dialekte zu verlieren oder besser gesagt zu verlernen.

Bibliography

L 313, Lesebuch, Thema 3: Sprache im Kontext, Teil 2 (Seite 77-81); Open University, London, Routledge

L313 Kurswebseite, Thema 3, Open University (accessed 2009)

Ahamer, H, steh auf (2009)

More about Harry Ahamer, see http://www.harryahamer.at/, (accessed 12th September 2013). New album, zuwa (2012)

Ammon, U. und Kellermeier, B. (1997), Dialekt als Sprachbarriere passé ? 25 Jahre danach, Versuch eines Diskussions-Erweckungskuesschens. In Deutsche Sprache 25:21-38

Kietzdeutsch oder Kanak Sprak, http://www.kiezdeutsch.de/; http://www.dw.de/zukunftssprache-kanak-sprak/a-15208590 (accessed 14th September 2013); get a free sample of Kanak Sprak by Feridun Zaimoglu on the iTunes Store https://itunes.apple.com/us/book/kanak-sprak/id603627493?mt=11, (accessed 17th September 2013)

PÄZ (Pädagogische Zentrum) Aachen, http://www.paez-aachen.de/, (accessed 14th September 2013) 

More about Sonntag, C., http://sonntag.tv/, (accessed 13th September 2013)

More about Banholzer, R. http://www.alemannisch.de/dichter/banholzerr.htm (accessed 13th September 2013)

Eine Deutschlandreise fuers Ohr, http://www.dw.de/eine-deutschlandreise-fürs-ohr/a-4230751 (accessed 13th September 2013)

Dialektatlas, Deutschland, http://www.dw.de/deutsch-lernen/dialektatlas/s-8150 (accessed 13th September 2013)

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